Im Fokus: Internationaler Tag der Opfer des Verschwindenlassens
Wenn Medienschaffende einfach verschwinden

Medienschaffende verschwinden meist, nachdem sie entführt worden sind. Es ist höchste Zeit, ihren Schutz zu verstärken und die Straflosigkeit zu bekämpfen. (Illustration: Sophie Bourlet).
Am kommenden Sonntag, 30. August, ist der internationale Tag in Gedenken an die Opfer des Verschwindenlassens (International Day of the Victims of Enforced Disappearances). Ein Tag, der auch für Reporter ohne Grenzen wichtig ist: Wir setzen uns seit Jahren für die Aufklärung und Suche von verschwundenen Journalistinnen und Journalisten ein. Aktuell zählt unsere Organisation 137 verschwundene Medienschaffende weltweit – fast drei Mal so viele wie noch vor 15 Jahren. In sehr vielen Fällen ist das vermeintliche Verschwinden allerdings nicht zufällig. Vielmehr wurden die Medienschaffenden oft mutmasslich entführt oder fernab der Öffentlichkeit getötet.
Sophie Sager, Projektverantwortliche RSF Schweiz
Das war diesen Sommer wichtig
 🇨🇭SCHWEIZ. Die Genfer Tageszeitung Le Courrier gewinnt vor dem EGMR in Strassburg. Die Redaktion war zuvor sowohl von der Genfer Justiz als auch vom Bundesgericht verurteilt worden. Hintergrund ist ein seit elf Jahren andauernder Rechtstreit zwischen der Redaktion und dem Mäzenen und Sammler Jean Claude Gandur. Bericht lesen.
🇺🇸 USA. Die US-Regierung will die Visa-Dauer für ausländische Medienschaffende in den USA massiv verkürzen. Der Entscheid könnte sich auch auf Schweizer Redaktionen auswirken, die Korrespondenten in den USA haben. Diese könnten in Zukunft stärker der Willkür der US-Behörden ausgeliefert sein. Bericht lesen.
🇷🇺 RUSSLAND. Am 24. Juli verabschiedete das russische Parlament ein neues Gesetz, das sich gegen im Exil lebende Russen und insbesondere gegen Medienschaffende richtet. Das Gesetz ist ein weiterer Schritt des Kremls, um gegen unabhängige Berichterstattung vorzugehen – weit über die russischen Staatsgrenzen hinaus. Bericht lesen.
Neues Projekt von RSF Schweiz: Cybersicherheit
Zur Pressefreiheit und dem Schutz von Journalistinnen und Journalisten sowie deren Rechten gehört auch ein Fokus auf Cybersicherheit. Wie können Medienschaffende in einer digitalen Umgebung möglichst sicher und frei arbeiten, ohne die eigene Arbeit, die eigenen Quellen oder ihre eigene Sicherheit zu gefährden? Mit welchen Vorkehrungen können sie ihre eigenen Recherchen absichern und sich vor Überwachung schützen?
Die Antwort auf diese Fragen unterscheidet sich von Fall zu Fall. Das Risiko hängt vom Thema und Kontext der jeweiligen Berichterstattung ab. Um dieser Komplexität gerecht zu werden, hat RSF Schweiz einige Ressourcen und Tipps zusammengetragen, die Medienschaffenden (sowie sämtlichen Personen, die an Cybersicherheit und Überwachung interessiert sind) helfen sollen, sich im digitalen Umfeld zurechtzufinden.

Sie finden die Ressourcen zur digitalen Sorgfalt auf unser eigens dafür eingerichteten Website.
RSF Schweiz in den Medien
8. Juli. Das Medienportal persoenlich.com thematisierte den neuen Bericht von RSF, «National Security as a Weapon against Journalism», der aufzeigt, inwiefern Medienschaffende weltweit zunehmend im Namen der nationalen Sicherheit strafrechtlich verfolgt, überwacht oder gar getötet werden. 📰 Zum Bericht.
11. Juli. Nachdem die Genfer Tageszeitung Le Courrier in der Affäre Jean Claude Gandur vor dem Europäischen Gericht für Menschenrechte in Strassburg gegen die Schweiz gewann, berichtete Radio RTS über das Urteil. Die Schweizer Gerichte müssten aus dem Urteil ihre Lehren ziehen, zitierte RTS RSF Schweiz. 📻 Zur Sendung.
24. August. Denis Masmejan diskutierte in seinem monatlichen Gastbeitrag in der Zeitung Le Temps die Frage, inwiefern es für den Journalismus ein Problem darstellt, wenn Autoren ihre Texte mehr und mehr durch künstliche Intelligenz schreiben lassen, und wie sich dies auf das sowieso schon angeschlagene Vertrauensverhältnis zwischen der Öffentlichkeit und den Medien auswirkt. 📰 Zum Artikel.
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