Infoletter Herdenschutz – Juni 2026

Liebe Herdenschutz-Fachleute

Wir haben uns eigentlich vorgenommen, diesen Newsletter generell etwas kürzer zu halten und dafür mehr Ausgaben pro Jahr zu verschicken. Aber obwohl erst zwei Monate seit dem letzten Newsletter-Versand vergangen sind, haben sich bereits wieder viele aktuelle Themen aufgestaut. Hoffentlich finden wir trotz der Vielzahl an Artikeln Eure Aufmerksamkeit und Euer Interesse und Ihr die Zeit zum Durchzulesen…

Wir wünschen Euch eine gute Lektüre und stehen bei Fragen oder Diskussionsbedarf gerne zur Verfügung.

Das Herdenschutz-Team der AGRIDEA

Exkursion zum Thema Konfliktmanagement mit HSH

Für den 11. August bietet die BUL eine Exkursion zu den Themen Konfliktmanagement und Unfallverhütung rund um HSH für die Herdenschutzberater und weitere Interessierte aus den Kantonen an. Geplant ist ein Besuch auf der Schafalp Färnital von Beat Würsch im Kanton Nidwalden. Da verschiedene Wanderwege die Alp queren, kam es in der Vergangenheit auf Färnital immer wieder zu Konflikten zwischen Wanderern und den zum Schutz der Schafe eingesetzten HSH. Beat Würsch engagiert sich seit Jahren in enger Zusammenarbeit mit der Gemeinde und den Wanderwegverantwortlichen, sein Konfliktmanagement rund um die HSH zu optimieren. Er wird im Rahmen dieser Exkursion von seinen Erfahrungen rund um die Arbeit mit HSH in einer touristisch intensiv genutzten Region berichten. Hauptsprache der Exkursion wird Deutsch sein, französischsprachige Teilnehmende unterstützen wir im Verständnis im Rahmen des Möglichen.

Programm und Anmeldung

Eignungsprüfungen für Herdenschutzhunde

Die diesjährige Frühjahrsperiode der Eignungsprüfungen (EP) ist abgeschlossen. Die Ergebnisse wurden an die Halterinnen und Halter der geprüften Hunde geschickt mit Kopie an die zuständige kantonale Kontaktperson. Eine Liste mit allen EP-Resultaten für jeden Kanton wird den Verantwortlichen zudem in Kürze zugestellt.

Die nächste EP-Periode ist für den Zeitraum zwischen dem 28. September und dem 6. November 2026 geplant. Anmeldungen müssen neu direkt an Agridea an folgende Adresse erfolgen: pruefungskommission@herdenschutzschweiz.ch

Für Anmeldungen benötigen wir für jeden Hund folgende Angaben:

  • Hundehalter: Name, Adresse, E-Mail, Telefonnummer
  • Hund: Name, Mikrochip-Nummer, Geburtsdatum, Rasse
  • Art der Nutztiere: Schafe oder Ziegen

Die Anmeldefrist für die kommende Prüfungsperiode im Herbst endet am 13. August 2026.

Das Reglement des BAFU zur EP ist seit Februar verfügbar.

Personen, die zum ersten Mal mit einem Hund an einer EP teilnehmen möchten, müssen vorgängig die beiden Informationstage für  Herdenschutzhunde-Halter besuchen. Die Termine der nächsten Informationstage findet Ihr auf unserer Website. Der Einführungstag kann im Sinne einer Übergangsregelung in diesem Jahr ausnahmsweise nach der EP-Teilnahme besucht werden. Der Vorbereitungstag für die EP muss jedoch zwingend vor der Prüfung besucht werden.
Bitte informiert die (zukünftigen) Halter von Herdenschutzhunden in Euren Kantonen über die Termine dieser Informationstage sowie zu Anmeldeprozedere und Anmeldefrist zur EP.

Ratgeber und Checklisten zur Unfallverhütung

Die BUL hat den bewährten Ratgeber «Konfliktmanagement bei HSH im Einsatz» samt den drei zugehörigen Checklisten aktualisiert. Dieser Ratgeber und die Checklisten unterstützen HSH-Haltende dabei, mögliche Gefahren im Haltungs- und Einsatzbereich der HSH systematisch zu beurteilen und geeignete Massnahmen zur Risikominderung festzulegen. Bis 2024 hat Agridea diese Dokumente jährlich im Mai an alle HSH-Haltende und Alpverantwortliche mit HSH in Papierform mit einem erläuternden Begleitbrief verschickt. Wir empfehlen den kantonalen Herdenschutzfachstellen, diese für ein präventives Konfliktmanagement sehr wichtigen Unterlagen regelmässig an Halter und Nutzerinnen von HSH zu kommunizieren und im Idealfall nach wie vor in Papierform abzugeben. Ausgefüllte Checklisten können den HSH-Verantwortlichen im Falle von Konflikten als Nachweis dienen, dass sie ihre Sorgfaltspflicht eingehalten haben. 
Eine im Ratgeber empfohlene Massnahme zum Konfliktmanagement ist die Verteilung von Infomaterial für Drittpersonen mit Empfehlungen zum korrekten Verhalten bei Begegnungen mit Herdenschutzhunden. Die entsprechenden Flyer und Comic können über den BUL-Shop bestellt werden. Da heute weder Bund noch Kantone die Druckkosten für Flyer und Comic übernehmen, muss die BUL neu diese Kosten bei Bestellungen von Informationsmaterialen an Tourismusbüros, Herdenschutzhunde-Halter, Wanderleiterinnen etc. weiterverrechnen. 

Austausch mit HSH-Zuchtvereinen

Im Mai haben wir die vier uns bekannten Vereine, die sich um Zucht von arbeitenden HSH bemühen, zu einem Austausch eingeladen. Nebst dem ursprünglich vom BAFU initiierten Verein HSH-CH gibt es inzwischen drei weitere Vereine, die sich jeweils gezielt um die Zucht einer HSH-Rasse bemühen: einen Pastore Abruzzese-Verein, einen Transmontano-Verein sowie einen Kangal-Verein. Nebst dem Thema Eignungsprüfung HSH wurden mögliche Schnittstellen zwischen Agridea und den Vereinen besprochen. Es wurde mehrfach gewünscht, dass eine zentrale Datenbank zu Hundeabstammung und Prüfungsresultaten bei der Agridea geführt werden sollte. Zuchtwertschätzungen möchte der Verein Pastore Abruzzese in naher Zukunft angehen und diese könnten zukünftig bei allen Rassen angewandt werden. Die heute grösser gewordenen Freiräume zur HSH-Zucht werden grundsätzlich geschätzt. Die Vereine wollen in den nächsten Monaten die Gründung eines gemeinsamen Dachverbandes diskutieren, ohne jedoch in ihrer Eigenständigkeit eingeschränkt zu werden. 

Biotopmonitoring im Einsatzgebiet von HSH

Im Rahmen von Monitoringaufgaben z.B. im Zusammenhang mit Trockenwiesen und -weiden von nationaler Bedeutung arbeiten Naturschutzfachleute regelmässig auch in Gebieten, in denen HSH Nutztiere beschützen. Solche Situationen sind sowohl für die Monitoringverantwortlichen wie auch für Alpverantwortliche und Hirten stressig. Diesen Frühling haben HSH einen WSL-Mitarbeiter im Rahmen eines Monitoringeinsatzes so heftig gebissen, dass dieser mit der REGA ins Spital geflogen wurde. Agridea hat den Verantwortlichen an der WSL empfohlen, künftig frühzeitig die kantonalen Herdenschutzfachstellen über geplante Arbeiten in Regionen, in denen mit HSH-Präsenz gerechnet werden muss, zu informieren. Wir raten davon ab, Monitoringarbeiten in Gebieten mit eingesetzten HSH durchzuführen. Entweder lassen sich die Monitoringarbeiten und die Beweidung der fraglichen Flächen zeitlich so planen, dass es keine Überschneidungen gibt. Oder die HSH sollten für die Zeitdauer der Datenerhebung aus den zu untersuchenden Gebieten abgezogen werden. Den kantonalen Herdenschutzfachstellen kommt hier eine vermittelnde und koordinierende Rolle zwischen Naturschutz und Landwirtschaft zu. 

Online-Karte «Alpweiden mit Herdenschutzhunden»

Gemäss Art. 10d JSV hat Agridea im Auftrag des BAFU und auf der Grundlage der von den Kantonen übermittelten Informationen den Datensatz «Alpweiden mit Herdenschutzhunden» für Swisstopo aktualisiert. Dieser Datensatz wird von Schweiz Mobil, den Schweizer Wanderwegen und weiteren Partnern für ihre eigenen online-Karten übernommen.

Parallel dazu haben wir in Zusammenarbeit mit dem Unternehmen Alpes-Eco die notwendigen Schritte beim BAFU und bei Swisstopo eingeleitet, um diesen Datensatz «Alpweiden mit Herdenschutzhunden» mit weiteren Informationen zu ergänzen. Neu werden nicht nur die gesamten Alpperimeter angezeigt werden können, sondern auch präzisere Angaben zu einzelnen aktuell von Herde und Hunden genutzten Sektoren können dargestellt werden.

Auf der Karte von Herdenschutz Schweiz sind solch genauere Informationen bereits verfügbar. Die Alpen sind orange dargestellt und die aktuelle durch Herde und Hunde genutzte Weidefläche ist schraffiert. Für solch präzisere Angaben zum aktuellen Einsatzgebiet von Herdenschutzhunden braucht es die Mitarbeit von Hirtschaft, Alpverantwortlichen oder Hundebesitzern. Diese können in der App „Echo“ Teilbereiche ihrer Alp abgrenzen und anschliessend entweder manuell, nach einem festgelegten Zeitplan oder mithilfe der Geolokalisierung der Hunde (sofern diese ein GPS-Halsband tragen) die Alpsektoren veröffentlichen, in welchen ihre Hunde gerade arbeiten. Die Variante mit der Geolokalisierung wird im Wallis in diesem Sommer in grossem Umfang eingeführt.

Das neue Datenmodell, das die Bereitstellung dieser zusätzlichen Angaben auf Swisstopo ermöglicht, befindet sich derzeit in der Validierungsphase und sollte im Juli oder spätestens Mitte August veröffentlicht werden. Wir informieren, sobald der Validierungsprozess abgeschlossen ist.

Einheitliche Standards für Besucherlenkungstafeln

Es ist wichtig, dass die Tafeln für die Besucherlenkung in Regionen mit HSH sowohl betreffend Inhalte wie auch betreffend Form schweizweit einheitlichen Standards entsprechen. Agridea hat hierzu für die kantonalen Herdenschutzfachstellen diesen Frühling eine Schulung durchgeführt sowie eine einfach zu gebrauchende PowerPoint-Vorlage zur Erarbeitung von Einschüben von Besucherlenkungstafeln (BLT) erarbeitet. Gleichzeitig haben wir auch unser deutschsprachiges Merkblatt zu den BLTs aktualisiert (die Übersetzungen auf Französisch und Italienisch werden folgen) sowie alle uns bekannten BLT-Standorte schweizweit in einer Karte verzeichnet. All dies soll den Kantonen die Erarbeitung neuer respektive die Aktualisierung vorhandener BLTs erleichtern und dazu beitragen, dass diese Tafeln schweizweit denselben Standards entsprechen.  

Bedürfnisumfrage Herdenschutz 

Agridea hat diesen Winter bei den Kantonen eine Umfrage zu deren aktuellen und künftigen Bedürfnissen im Bereich Herdenschutz durchgeführt. Aufgrund der Antworten konnten wir zusammen mit der Delegation Wildtiere der KOLAS unsere Dienstleistungen für die Kantone für 2026 priorisieren sowie den Bedarf nach künftiger Unterstützung abschätzen. Die Auswertung der Antworten war eindeutig: die Kantone sehen grossen Bedarf nach national erbrachten Dienstleistungen wie Informationsaufbereitung, Wissenstransfer, Sensibilisierung, Beratung und Expertise sowie Koordinations- und Vernetzungsarbeit. 
Unsere Herdenschutz-Mandate von Kantonen und Bund laufen Ende 2026 aus. Agridea und BUL stehen sowohl mit der Delegation Wildtiere der KOLAS wie auch mit dem BAFU im Austausch, um massgeschneiderte Anschlusslösungen zu unseren derzeitigen Herdenschutz-Mandate zu finden.

Personelle Änderungen im Herdenschutz-Team

Auf Seite BUL hat die Stabübergabe im Thema Herdenschutz bereits im Winter stattgefunden. Heinz Feldmann, der bei der BUL das Thema Unfallverhütung rund um HSH aufgebaut und geprägt hat, wurde pensioniert und Ruben Wyttenbach hat seine Nachfolge angetreten. 
Aktuell stehen bei Agridea personelle Änderungen im Herdenschutz-Team an. Während Riccarda Lüthi, die jahrelang v.a. für die Koordination der Zivildienstleistenden-Einsätze im Bereich Herdenschutz sowie die Hirtenausbildung zuständig war, Agridea im Juni verlassen hat, reduziert François Meyer aktuell sein Pensum im Herdenschutz und tritt neu eine Stelle beim Kanton Fribourg an. François Meyer, u.a. Fachspezialist zum Thema Eignungsprüfung HSH, wird aber glücklicherweise im Herdenschutz-Team noch bis Ende Jahr mitarbeiten, bevor er Agridea ganz verlassen wird. Bereits Mitte Juni wird Rachel Wenger, die seit rund einem Jahr als Prüfungsleiterin für Eignungsprüfungen von uns mandatiert ist, neu bei Agridea für den Bereich Herdenschutz angestellt. 

Herdenschutz Schweiz
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