Editorial

Beträchtliche Lücken beim digitalen Schutz von Medienschaffenden und ihren Quellen

 

Liebe Freundinnen und Freunde von RSF Schweiz

Überall auf der Welt – auch in der Schweiz – sind Medienschaffende nur unzureichend vor Cyberrisiken geschützt. Die Telefone, Computer und E-Mail-Konten von Journalistinnen und Journalisten sind im Grossen und Ganzen Einfallstore, die von Aussenstehenden mit böswilligen Absichten, aber auch von Polizei- oder Geheimdienstmitarbeitern viel zu leicht überwunden werden können. Diesbezüglich waren sich die beiden Referenten eines Workshops einig, den RSF Schweiz beim jüngst über die Bühne gegangenen Presstival angeboten hat – dem Westschweizer Journalismusfestival, das in seiner zweiten Ausgabe am Pfingstwochenende zwei Tage lang in Biel stattfand. Als erste Hilfestellung haben wir darum eine Broschüre mit den wichtigsten Infos und Massnahmen zum besseren Schutz vor Risiken im Cyberspace verfasst.

Denis Masmejan, Generalsekretär RSF Schweiz

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Im Fokus: Medien in den USA

«Die Auswirkungen der aktuellen Entwicklungen werden noch lange nachhallen»

Valentin Rubin, Policy & Advocacy Manager RSF Schweiz

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Unterzeichnen Sie die Petition von Heidi.news zum Schutz der Pressefreiheit in der Schweiz

Illustration: Pitch Comment

Das Online-Medium aus der Romandie heidi.news ist von einer beunruhigenden Reihe sogenannter superprovisorischer Massnahmen betroffen, einem einschneidenden Instrument der Ziviljustiz, das die sofortige Entfernung von Inhalten und Informationen ermöglicht und dessen missbräuchliche Anwendung RSF Schweiz seit Jahren kritisiert.

heidi.news gibt an, für einen einzigen Artikel 39 superprovisorische Verfügungen von vier Richterinnen und Richtern erhalten zu haben, beantragt von sieben Anwälten, die 15 Unternehmen und Persönlichkeiten vertreten. Daraus ergeben sich neun getrennte Anhörungen vor Gericht, die für Mai und Juni 2026 vorgesehen sind.

Diese zivilrechtlichen Verfahren bestätigen erneut die Missbräuche, die im Zusammenhang mit superprovisorischen Massnahmen stattfinden und die Pressefreiheit missachten. Dieses rechtliche Instrument, das 2022 zusätzlich verschärft wurde, ist in der Schweiz das wichtigste Mittel für sogenannte Einschüchterungsklagen, deren Gefahr weiterhin stark unterschätzt oder sogar geleugnet wird.

RSF Schweiz betont zum wiederholten Mal die Notwendigkeit einer Gesetzesänderung, damit solche Missbräuche künftig nicht mehr vorkommen können.

Helfen Sie uns, die Botschaft in der Öffentlichkeit und in der Politik zu verbreiten, indem Sie die von heidi.news gestartete Petition unterzeichnen.

Ich unterzeichne die Petition!

Das war im Mai wichtig


Kolumbien.
Mateo Pérez Rueda, der Direktor des digitalen Mediums El Confidente mit Sitz in Yarumal im Norden von Antioquia, wurde Anfang Mai ermordet. Der Journalist wurde zuletzt am 5. Mai 2026 gesehen, als er sich in eine ländliche Gegend von Briceño begab, um dort in einem von bewaffneten Auseinandersetzungen geprägten Gebiet zu recherchieren. Am 8. Mai barg eine gemeinsame humanitäre Mission des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) und des Büros des kolumbianischen Ombudsmanns die Leiche des Journalisten in einem ländlichen Gebiet von Antioquia. Zum vollständigen Bericht.

Iran. Die landesweite Internetabschaltung im Iran, die weiterhin andauert, schneidet Journalist:innen im Land seit inzwischen mehr als 80 aufeinanderfolgenden Tagen vollständig von der Aussenwelt ab. Was als Versuch der Informationskontrolle begonnen hat, hat sich zu einem anhaltenden Angriff auf die Pressefreiheit entwickelt und bedeutet für lokale Reporter:innen einen täglichen Kampf, ihrer Arbeit im Land überhaupt noch nachgehen zu können. Zum vollständigen Bericht.

China. Bei seinem Staatsbesuch in China vom 13. bis 15. Mai konnte der US-Präsident Donald Trump die Freilassung von Jimmy Lai, Journalist und Gründer des unabhängigen Mediums Apple Daily, nicht erreichen. Er verbüsst weiterhin die längste jemals nach dem Nationalen Sicherheitsgesetz in Hongkong verhängte Haftstrafe und befindet sich nach mehr als 1 950 Tagen in Haft in einem besorgniserregenden Gesundheitszustand. Zum vollständigen Bericht. 

RSF Schweiz in den Medien

30. April. Anlässlich der Veröffentlichung der neuen Rangliste der Pressefreiheit von RSF gab Denis Masmejan, Generalsekretär von RSF Schweiz, gegenüber RSI Auskunft über das weltweit historisch tiefe Niveau der Pressefreiheit. Zur Sendung.

1. Mai. Für Radio SRF gab Valentin Rubin, Policy & Advocacy Manager bei RSF Schweiz, Einblicke in die neue Rangliste der Pressefreiheit von RSF. Darin erklärte er, warum mittlerweile mehr als 50% der Weltbevölkerung in Ländern leben, wo die Lage der Pressefreiheit schwierig bis sehr schwierig ist. Zur Sendung.

3. Mai. Denis Masmejan erklärte anlässlich des internationalen Tags der Pressefreiheit gegenüber Blick Romandie, warum die Lage der Pressefreiheit in der Schweiz nur als «zufriedenstellend», nicht aber als «gut» bezeichnet werden kann. Zum Artikel.

18. Mai. In seiner monatlichen Kolumne für Le Temps widmete sich Denis Masmejan einer neuen – und alarmierenden – Initiative, die gegen den Journalismus gerichtet ist: Objection.ai. Dabei handelt es sich um ein KI-basiertes Tool, das es Persönlichkeiten ermöglicht, gegen kritische Berichterstattung vorzugehen und dabei die vermeintliche «Wahrheit» wieder herzustellen. Zum Gastbeitrag.

27. Mai. In der Sendung «Forum» von Radio RTS beurteilte Denis Masmejan das jüngste Urteil des waadtländer Kantonsgerichts zum Rechtsfall zwischen der TX Group und dem früheren waadtländer Staatsrat Pascal Broulis. Zur Sendung.

Kommende Veranstaltungen

📌 7. Juni: True Story Festival in Bern – Demokratie-Bar: Demokratie gut, alles gut? 

Im Rahmen des True Story Festivals, das vom 5. bis 7. Juni in Bern stattfinden wird, wird Valentin Rubin am Sonntag, 7. Juni um 13:30 Uhr über bedrohte Pressefreiheit in Demokratien Auskunft geben.

🔗 Informationen und Anmeldung


📌 18. Juni: Vorführung – Die Odyssee von Miette de Saussure im Musée Photo Elysée, Lausanne

In Zusammenarbeit mit dem Musée Photo Elysée und dem RTS organisiert RSF Schweiz eine Vorführung des Dokumentarfilms von Elisabeth Thorens-Gaud «L’odyssée de Miette de Saussure et d’Ella Maillart», der die Kühnheit zweier Frauen beleuchtet, die in den 1920er-Jahren gesellschaftliche Konventionen hinter sich liessen, um ihren Träumen zu folgen. Im Anschluss an die Vorführung findet eine Diskussion statt, die vom Team von Reporter ohne Grenzen Schweiz moderiert wird.

🔗 Zur kostenlosten Anmeldung

Bestellen Sie unser Album über Mailck Sidibé

Malick Sidibé (1935–2016), der den Spitznamen «das Auge von Bamako» trug, prägte unsere Sicht auf das postkoloniale Mali. Weit entfernt von journalistischer Berichterstattung fängt sein Werk ein umfassendes kollektives Selbstporträt ein: das einer Jugend, die tanzt, sich neu erfindet und sich in der Euphorie der Unabhängigkeitsjahre behauptet. Sidibé erzählt von dem Mali, das er liebt: glücklich, stolz und auf die Zukunft ausgerichtet.

Das 120-seitige französischsprachige Album lädt zu einem Streifzug durch das Werk von Malick Sidibé ein, beleuchtet durch Texte von Manthia Diawara, einem Schriftsteller, der Sidibé gut kannte; André Magnin, der von ihrer Begegnung in den 1990er Jahren berichtet; Laura Serani, einer engen Freundin des Künstlers; und Omar Victor Diop, einem senegalesischen Fotografen, der die Codes der Studiofotografie aufgreift und seinem Vorgänger eine lebhafte Hommage erweist. Das Portfolio beginnt mit einem Vorwort von Françoise Huguier, die 1994 die Rencontres de la photographie de Bamako ins Leben rief.

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