Editorial

Nein, 200 Franken sind nicht genug!

 

Denis Masmejan, Generalsekretär RSF Schweiz

Zum vollständigen Argumentarium

Im Fokus

Unsere Solidaritätsaktion mit inhaftierten Medienschaffenden in Aserbaidschan

Am Mittwoch, dem 28. Januar, waren wir auf dem Bärenplatz in Bern, um die Gefängniszelle der aserbaidschanischen Journalistin Sevinj Vagifgizi nachzubilden, die zusammen mit 24 anderen Medienschaffenden allein wegen der Ausübung ihres Berufs inhaftiert wurde. 

Vagifgizi sitzt dabei bereits seit über 800 Tagen zu Unrecht im Gefängnis. Wir haben ihre 4 m² grosse Gefängniszelle nur wenige Schritte vom Bundesplatz entfernt nachgebaut, um die Öffentlichkeit zu alarmieren und auf die Situation aufmerksam zu machen. Das auf dem Bärenplatz aufgestellte Zelt stellte die Zelle von Sevinj Vagifgizi dar, deren Grösse unter den vom Europarat festgelegten Mindeststandards liegt und deren Bedingungen extrem prekär sind.

Wenn auch Sie sich an dieser Aktion beteiligen und die Inhaftierung der aserbaidschanischen Medienschaffenden anprangern möchten, haben wir Ihnen hier eine Vorlage für eine Email an die Schweizer Delegation des Europarats vorbereitet. Damit können Sie dazu beitragen, dass das Thema auch auf internationaler Ebene mehr Beachtung findet.

Sophie Sager, Projektverantwortliche RSF Schweiz

Zu den Hintergründen

Das war im Januar wichtig

 

USA. Nach seiner Wiederwahl im Jahr 2024 hatte Donald Trump angekündigt, «vom ersten Tag an» ein Diktator zu sein. In Bezug auf die Pressefreiheit hat er sein Versprechen gehalten und den Krieg gegen die Medien, den er bereits während seines ersten Präsidentschaftswahlkampfs begonnen hatte, fortgesetzt und verschärft, indem er den Zugang zu verlässlichen Informationen weltweit massiv beeinträchtigte. Reporter ohne Grenzen (RSF) erfasst weltweit die «Feinde der Pressefreiheit» und hat eine Chronologie der Angriffe von Trumps Regierung auf die Medien im vergangenen Jahr erstellt. Zum vollständigen Bericht.

 

VENEZUELA. In einem wegweisenden Moment infolge der US-Intervention in Venezuela fordert RSF die venezolanischen Behörden nachdrücklich auf, ausländischen Journalistinnen und Journalisten die Einreise ins Land zu gestatten und die Arbeit der lokalen Medien nicht länger einzuschränken. Zum vollständigen Bericht.

 

IRAN. Das Internet und die Telefonleitungen im Iran wurden in der Nacht vom 8. Januar gemäss Informationen von RSF vom iranischen Regime nach landesweiten Protesten abgeschaltet. Durch die Abschottung können Journalistinnen und Journalisten im Land nicht oder kaum mehr mit der Aussenwelt kommunizieren. RSF ist sehr besorgt über die Lage der Medienschaffenden vor Ort, darunter die Friedensnobelpreisträgerin von 2023, Narges Mohammadi, und 23 weitere inhaftierte Reporter. Zum vollständigen Bericht.

 

PHILIPPINEN. RSF sowie die Koalition internationaler Organisationen unter dem Namen #FreeFrenchieMaeCumpio verurteilen den Schuldspruch gegen die investigative Journalistin Frenchie Mae Cumpio aufs Schärfste. Ihr droht nun eine Haftstrafe von 12 bis 18 Jahren aufgrund von Anschuldigungen der «Terrorismusfinanzierung», die, wie eine Untersuchung von RSF ergab, vollständig fingiert sind. Zum vollständigen Artikel.

RSF Schweiz unterstützt die Redaktion von Gotham City

RSF Schweiz hat sich an den Prozesskosten des Online-Mediums Gotham City beteiligt, welches aufgrund seiner mutigen Artikel über die Verwicklung bestimmter Akteure des Finanzplatzes in Gerichtsverfahren häufig mit missbräuchlichen SLAPP-Klagen konfrontiert ist. Der Unterstützungsfonds von RSF Schweiz ermöglicht es, nicht nur Medienschaffende im Exil zu unterstützen. Er dient auch dazu, Schweizer Journalistinnen und Journalisten oder Medien, die vor Gericht angegriffen werden, zu unterstützen, wenn die Pressefreiheit auf dem Spiel steht.

RSF Schweiz in den Medien

27. Dezember: Im monatlichen Medientalk von Radio SRF gibt Valentin Rubin, Policy & Advocacy Manager von RSF Schweiz, Auskunft über das internationale Medienjahr und beleuchtet die nach wie vor hohe Zahl an getöteten Medienschaffenden in den vergangenen zwölf Monaten sowie die Situation der Pressefreiheit in Kriegs- und Krisengebieten wie Russland, Ukraine, Sudan oder Gaza. Zudem geht er auf die Lage der Medien in den USA ein. Zum Sendung.

19. Januar: In ihrer Kolumne in Le Temps warnt Isabelle Cornaz, Präsidentin von RSF Schweiz, vor den wachsenden Schwierigkeiten der Medien in Gebieten, in denen der freie Informationsfluss stark gefährdet ist oder wo Medien ins Exil gezwungen werden. Zwischen Internet-Blackouts, Desinformation und Finanzierungsproblemen haben diese Redaktionen teils grosse Mühe, den Kontakt zu ihrem Publikum aufrechtzuerhalten. Isabelle Cornaz ruft dazu auf, die Vielfalt journalistischer Berichterstattung zu unterstützen, die angesichts von Krieg und Propaganda von entscheidender Bedeutung ist. Zur Kolumne.

 

23. Januar: In einem auf Swissinfo veröffentlichten Gastbeitrag warnt Thibaut Bruttin, Generaldirektor von RSF International, vor der weltweiten Verschlechterung der Pressefreiheit, die oftmals durch politischen, wirtschaftlichen oder auch technologischen Druck gefährdet ist. Bruttin hebt zwar die vergleichsweise gute Platzierung der Schweiz im aktuellen weltweiten Ranking der Pressefreiheit hervor, doch er fordert eine Stärkung der rechtlichen Schutzmassnahmen, eine Förderung des Medienpluralismus sowie die Priorisierung der Pressefreiheit als demokratisches Gut. Zum Beitrag.

29. Januar: In einem Interview mit dem Berner Radiosender Radio RaBe während unserer Aktion am 28. Januar in Bern für die in Aserbaidschan inhaftierten Medienschaffenden prangerte Valentin Rubin die prekären Haftbedingungen in den Gefängnissen des Landes an. Zum Beitrag.

Kommende Veranstaltungen

📌 photoSCHWEIZ im Kongresshaus in Zurich, 6-10 Februar

Die Fotoausstellung «Fotografien der Welt von morgen» von Reporter ohne Grenzen wird im Februar zum dritten Mal in der Schweiz zu sehen sein! Vom 6. bis 10. Februar können Sie sich die 40 Fotos im Kongresshaus Zürich an der photoSCHWEIZ, der grossen Werkschau für Fotografie, ansehen.

🔗 Informationen und Tickets zum Besuch

 

📌 Pressekonferenz mit Thibaut Bruttin, Generaldirektor von RSF International, am 13. Februar in Genf

Thibaut Bruttin, Generaldirektor von RSF International, wird am Freitag, 13. Februar, um 11:00 in Genf gemeinsam mit Denis Masmejan, Generalsekretär von RSF Schweiz, eine Pressekonferenz zur Halbierungsinitiative abhalten. Organisiert vom Club Suisse de la Presse werden die beiden über die wichtige Abstimmungsvorlage, über die wir am 8. März entscheiden werden, sprechen.

Details folgen.

Ihr Feedback ist uns wichtig

Im letzten Jahr haben wir unseren Newsletter weiterentwickelt. Um sicherzustellen, dass wir damit auch Ihre Bedürfnisse und Interessen abdecken, bitten wir Sie hier höflich um ein Feedback unseres Newsletters. Welche Aspekte finden Sie besonders nützlich und interessant? Was könnten wir besser machen? Wo sehen Sie Defizite, Lücken oder blinde Flecken? Wir freuen uns auf Ihre Rückmeldung, die Sie uns direkt als Antwort auf diesen Newsletter zukommen lassen können oder aber als separate Mail an info@rsf-ch.ch.

 

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